Père Lachaise

OranginaDer Kellner stellt eine bauchige Glasflasche mit einer gelben Flüssigkeit auf den Tisch. Für mich. Das, was mir ohne mein Zutun serviert wurde, heißt „Orangina“. Das ist jedenfalls in weich geformten Buchstaben auf dem geriffelten Glas zu erfühlen. Auch ein blindes Kind könnte hier also wissen, was es gerade trinkt, und das ist gut, denn der Inhalt der Flasche schmeckt irgendwie gar nicht nach Orange. Nicht sauer wie Fanta. Eher nur süß und ein bisschen fahl. Aber eigentlich lecker, jedenfalls sage ich das Papa, weil er die ja bestellt hat. Wir sind gerade angekommen. In Paris. Meine erste Städtereise. Weiterlesen

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Eat this, douchebags!

Eben lese ich den Bade-Rant der geschätzten @silenttiffy und „schäume“ vor Empörung! Baden als Lifestyle, Mädchen-Klischee? Okay, Badeperlchen namens „Mama-Glück“, „Zitrus-Zen“ oder „Oriental Oblomow“ können nur eine Erfindung der Muttertagslobby sein (anderes Thema, aber ihr müsstet euch echt mal angucken, WIE VIELE Politiker irgendwelche Kontakte z.B. zu Fleurop haben, ich würde behaupten, der gesamte Bundestag ist von denen infiltriert); aber ANYWAY, was kann denn ein fauler Mensch (und sind wir, „die mit dem Internet“, nicht alle faul, sitzen am liebsten auf unserem im besten Fall noch nicht komplett flachgesessenen Nerdarsch, und außer unserem emsigen Scroll-Fingerchen bewegt sich ausschließlich der Augapfel?), also, was kann ein fauler Mensch dagegen haben, wie eine glückliche weiße Bohne in warmer Tomatensauce vor sich hinzuweichen? Sogar einige Millisekunden Teilkörper-Schwerelosigkeit sind möglich!

Darüber hinaus hat das Baden, so findet Menschette, die hier triefnass mit der geblümten Badehaube auf dem Kopf in die Tastatur hämmert, nahezu feministisches Potenzial, wenn man sich mal überlegt, dass eine Duschsession mit ihrer Husch-Husch-Atmo (anders als im unten verlinkten Filmchen suggeriert) wohl kaum dazu angetan ist, ein junges Mädchen ihre ersten autoerotischen Erfahrungen machen zu lassen, während die von Alexandra beklagte sich einstellende „Langeweile“ in der Wanne in Kombination mit der angenehmen Wärme und Muskelentspannung förmlich wie von selbst etwaig vor der Tür lauernde Vertreter des internationalen Prüdentums in Vergessenheit geraten lässt. Alles klar?


Ich jedenfalls kann mir Alexandras Abneigung nur mit ihrem Fitnesswahn erklären, für den sie ja landauf landab bekannt ist. Wer hingegen faul ist und über 35, dem tut doch über kurz oder lang was weh. Ihr wisst, was ich meine. Nackenspannung, Schulterkalk, Arm-Aua, Mausdaumen and the Likes – ich habe sie alle. Was mach ich? Andere quälen sich „zum Sport“ oder zahlen von ihrem Beamtengehalt supersexy Osteopathen-Ottos, ich bin faul und hab kein Geld, ABER ich habe eine Badewanne, ich bin sozusagen die Bade-Momo! Ich bin das legendäre Lovecraftsche „Ding in der Wanne“!

Ihr findet das nicht schön. Ihr steht sportlich-gebräunt in eurer Regenwald-Dusche. Ja, sieht schick aus. Wenn man den Part weglässt, an dem ihr wie eine gebärende Antilope mit eurem „Abzieher“ vor der Glaswand hockt, damit es keine Kalkflecken gibt.

tl;dr: ICH HASSE DUSCHEN. Es ist hektisch, es nervt, es tut weh, irgendwas friert immer. Baden ist wie Kuscheln mit Mama auf Valium. Duschen ist die Nazimutti, die sich die letzten Tropfen mit dem eisgekühlten Handtuch von den Schenkeln schlägt: „HAAACH, das erfrischt!“

Merke: Im Regen stehen ist KEIN Ersatz für Schwimmen im See!

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Skyler White, Skyler Blue

Vor einigen Monaten wurde ein Mensch in die Welt geworfen und zwar von mir. Das war unverantwortlich. Ich war nämlich nicht sonderlich vorbereitet. Ok, den Tathergang konnte ich rekonstruieren, aber was mich erwartete, darüber machte ich mir wenig Gedanken. Immerhin wusste ich, was sich gehört, und meldete mich für einen Geburtsvorbereitungskurs an. Die meisten Menschen denken, dass man in diesen Kursen von einer Person, die sich auskennt, mit Informationen versorgt wird. Aber das ist Blödsinn, die Sache läuft ganz anders. Wer sich für einen Vorbereitungskurs anmeldet, sammelt im Vorfeld möglichst viel halbwahren Quatsch aus dem Internet. Das mitgebrachte Halbwissen kann man dann im Kurs durch Austausch erweitern. Schrottwichteln quasi. Die Hebamme schenkt unterdessen Tee nach. Und dadurch entsteht dann, so steht es auf den Flyern, ein Gruppengefühl. Weiterlesen

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Was ist eigentlich scheiße an Pubertät? Vol. IV

Die jüngere Schwester darf die Gemächer der älteren Schwester – die mit der Black-and-White-Sitztonne und dem Setzkasten – nicht betreten. Selbstverständlich nicht! Welche Königin käme schon auf die hirnverbrannte Idee, einem Viertelmenschen mit verklebten Brausefingern und einem lächerlich-kindlichen Körper Zutritt zum Spiegelsaal zu gewähren? Weiterlesen

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Die Anbetung

Veras Eltern betrieben die örtliche Bahnhofsgaststätte. Bisher war ich nur zu den Kindergeburtstagen dort gewesen, aufregenden Veranstaltungen mit zu Hause nie aufgetischten Köstlichkeiten wie Pommes und fetter Pizza, mit Unmengen an kleinen Gewinnen und Geschenken und Hektolitern Fanta, Cola und so weiter. An den anderen 364 Tagen im Jahr ließen Bodo und Marlene ihre Tochter mit einer beträchtlichen Menge an Fertiggerichten und Zuckergetränken in der Wohnung neben der Gaststätte zurück. Weiterlesen

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Was ist eigentlich scheiße an Pubertät? Vol. III

Schwebfliege, die Biene sein will.

Sie (15) hat zum ersten Mal etwas getan, was die BRAVO als „Petting“ kategorisiert. Das Gipfelkreuz mit der Aufschrift „Entjungferung“ schon fest im Blick, dichtet sie einen schwelgerischen Achtzeiler über die baldige romantische Verschmelzung, die zu erwarten ihr die Filmindustrie eingeflüstert hat. Um das Pathos des reichlich platten Textes vor sich selbst zu verschleiern, formuliert sie ihn in englischer Sprache. Zu scheu, das Werk ihren Freundinnen oder gar Eltern zu zeigen, gleichzeitig aber sendungsbedürftig genug, das bevorstehende Ereignis in die Welt zu tragen, kritzelt sie das Gedicht wie zufällig auf den Rand ihres Englischheftes. Entsprechend nichtzufällig landet es bei der Hausaufgabenkontrolle auf dem Tisch des Lehrers. Lässig beiseite schauend nimmt sie das Heft einige Tage später aus seiner Hand entgegen, um festzustellen, dass er mit rotem Stift einen Tempusfehler in ihrem Gedicht korrigiert hat. Ironie des Schicksals: Ihre Defloration erfolgt während der Sprachferien in England – in einem volltrunkenen Restefick.

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Das Alter fürchtet mich.

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